Aussprache zum Jahresabschluss – UWG Leipheim Fraktion
Leipheim, Donnerstag, 18.12.2025
Aussprache zum Jahresabschluss – UWG Leipheim Fraktion
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Konrad,
Sehr geehrter Herr Nazareth von der Günzburger Zeitung,
Werte Damen und Herren der Verwaltung,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
nach 24 Jahren Amtszeit werden Sie, Herr Konrad, Ihr Amt als 1. Bürgermeister mit dem Ende
der Wahlperiode niederlegen und somit müssen Sie nach 5 harten Jahren mit mir auf der
Stadtratsbank nun noch einmal meine Rede zum Jahresabschluss über sich ergehen lassen.
Und wer weiß, vielleicht wird dies auch meine letzte Rede, von daher habe ich diese etwas
länger ausfallen lassen.
Doch was kann ich sagen, über ein Jahr in dem unser Haushalt erst Ende Oktober und nur
unter Auflagen genehmigt wurde - und ich sage „unser“ Haushalt, da Sie, Herr Konrad, diesem
ja nicht zugestimmt haben. Daher waren Investitionen in neue Projekte die ersten 10 Monate
überhaupt nicht möglich.
Da aber bald Weihnachten ist, und Weihnachten eine allgemein besinnliche Zeit und gut für
Märchen ist, so möchte ich zum diesjährigen Abschluss Ihnen noch ein kurzes Märchen
erzählen.
Doch bevor es am Ende heißt, der Dr. Kahler habe ja mal wieder keine Ahnung, lassen Sie
mich Ihnen sagen: Mit Märchen kenne ich mich gut aus, schließlich habe ich als Teil einer
Laienschauspielgruppe über 10 Jahre die Märchen der Gebrüder Grimm auf der Bühne zum
Leben erweckt.
Doch zurück zu unserem Weihnachts-Märchen …
Stellen Sie sich mal eine Kleinstadt vor, irgendwo in Bayern - ach was, nicht irgendeine
Kleinstadt, am besten eine Hochschulstadt, natürlich die einzige im Landkreis.
Und mit einem Schwimmbad, einem Hallenbad mit Sauna, wenn möglich, und natürlich auch
dies ein Alleinstellungsmerkmal im Kreis.
Was braucht diese Stadt sonst noch? Kinderbetreuungsstätten natürlich, am besten mit mehr
Plätzen als Bedarf, damit es hier keine Probleme gibt, auch auf die Gefahr hin, dass komplette
Einrichtungen kurz nach Eröffnung leer stehen oder anders genutzt werden müssen.
Ein erfolgreiches Gewerbegebiet darf auch nicht fehlen, angelockt mit Steuersätzen, die
natürlich auch spitze sind, also besonders hoch, im Landkreis - irgendwo muss das Geld ja
herkommen.
Eine aktive Vereinslandschaft, die vielen Leipheimer Bürger- und Bürgerinnen ein Hobby und
2. Heimat bietet, ist auch vorhanden.
Und dann noch ein tolles Kulturangebot und, ganz wichtig, ein immaterielles Kulturerbe als
Sahnehäubchen oben drauf - das wäre doch was.
Was sagen Sie?
Eine solche Stadt wäre reine Utopie und meiner Fantasie entsprungen?
Nein, diese Stadt heißt Leipheim.
Und von außen betrachtet, mag dies für viele als Traumstadt erscheinen, aber innerlich ist
diese Stadt aktuell leider weit entfernt vom äußeren Glanz.
Unser immaterielles Kulturerbe, unser Leipheimer Kinderfest, wird in den letzten Jahren mehr
und mehr auf ein Kostendefizit mit immer noch zu niedrigen Preisen für die Festabzeichen
reduziert, während wir ein vielfach höheres Defizit im Zehntstadel seit Jahren kommentarlos
hinnehmen und abnicken müssen.
Unsere Kindertagesstätten ließen sich Ihrer Meinung nach seit Jahren nur durch höhere
Beiträge finanzieren - einem Druck, dem der Stadtrat und vor allem die UWG-Fraktion in den
letzten Jahren aber widerstanden haben.
Dass eine Erhöhung hier der Weisheit letzter Schluss ist, erscheint dabei immer mehr als
Trugschluss, wie sich anhand der Defizite anderer Kitas im Kreis und der wohl sinkenden
Bedarfszahlen für die Zukunft nun herausstellen könnte. Hierfür hätten bereits im März
Weichen gestellt und weitreichende Maßnahmen angesetzt werden können - diese
Möglichkeiten wurden damals aber unangetastet gelassen, nur um Sie nun im
Konsolidierungskonzept wieder aufzugreifen.
Dass Sie dabei an den Beratungen zum Konsolidierungskonzept wenig Interesse gegenüber
dem Stadtrat signalisiert haben, denn an diesen beiden für die Zukunft der Stadt so extrem
wichtigen Sitzungen, haben Sie sich beide Male vertreten lassen - dies wirft sicher nochmal
einen Schatten auf Ihre Amtszeit.
Das Image einer Hochschulstadt, für das Sie laut Zeitung seit 20 Jahren gekämpft haben, ist
super, doch frage ich Sie, wo wohnen und integrieren sich diese Studenten, Mitarbeiter und
Professoren, wo tragen diese zum täglichen Alltag bei? In Neu-Ulm, Günzburg, Leipheim oder
doch in deren ureigener Heimatstadt?
Ein Schild mit dem Aufdruck „Hochschulstadt“ kann einen Durchreisenden durchaus
beeindrucken, aber für mich ist eine Hochschulstadt doch eher ein Ort, wo Studierende
verschiedener Altersklassen zukommen, Straßen und Altstadt mit ihren Kneipen, Bars und
Cafés bevölkern, wo sich Wohngemeinschaften in erschwinglichem Wohnraum
zusammenfinden, wo Zugereiste sich zumindest temporär den lokalen Vereinen anschließen
und diesen so zu ungeahnten Höhenflügen verhelfen. Dies alles habe ich bisher zumindest in
Leipheim noch nicht erlebt…
Von daher sollte man genau aufpassen, und dies gebe ich Ihrem Nachfolger und dem neuen
Stadtrat schonmal mit auf den Weg, dass diese Prestige-Außenstelle der Hochschule NeuUlm nicht nur ein Trabant wird mit einer klassischen Di-Mi-Do Mentalität oder einer heutzutage
immer üblicher werdenden virtuellen Präsenz, wie man sie an vielen kleineren
Hochschulstandorten erlebt.
Und Ihre Lösung für die viele anderen, wenn nicht sogar alle anderen Probleme: Am besten
immer mehr und immer höhere Steuern - mit dem Verweis, dass die Steuern woanders ja noch
höher wären. Tut mir leid, dass kann und darf nicht der einzige Weg sein.
Und wenn man dies jetzt noch in den aktuellen Kontext mit den angekündigten
Umstrukturierungsmaßnahmen bei einem Leipheimer Urgestein wie der Firma Wanzl sieht,
dann weiß man, es ist leider nicht alles Gold, was in Leipheim nach außen hin so wunderbar
glänzt.
Liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen, wenn Sie sich mittlerweile über diese Mär wundern und
fragen, was das alles soll, so sage ich Ihnen, dass alle diese genannten Themen, wie
Kinderfest, Kindergarten, Wohnungsbau, Hallenbad, Hochschule und Steuern, aber vor allem
die Maxime „sparen, sparen, sparen“, den Stadtrat in 2025 ausgiebig beschäftigt haben.
Keine Sitzung verging ohne Haushaltsdebatte und Abwägung, was wir uns leisten können,
dürfen oder sogar müssen - vor allem für die Fortführung mach teurer, in besseren Tagen
verabschiedeter Maßnahme.
Für mich war dies ein hartes Jahr, dass aber mit dem nun verabschiedeten
Konsolidierungskonzept ein hoffentlich positives Ende nimmt.
Ich sehe sprichwörtlich Licht am Ende des Tunnels, damit Leipheim weniger außen hui, innen
pfui, sondern diese wunderbar lebenswerte und fantastische Stadt bleibt.
Oder ist das Licht am Ende des Tunnels vielleicht doch nur die Partybeleuchtung Ihrer
Abschiedsfeier, Herr Konrad? Ich weiß es nicht, aber das ist dann wohl eine andere
Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden kann. Ich hoffe daher, dass auch mein
Märchen mit den Worten „Ende gut, alles gut“ enden kann und keine unendliche Geschichte
wird.
Nun will mich ganz besonders im Namen der UWG-Fraktion, bei allen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern der Verwaltung und des Bauhofs für die gute Zusammenarbeit bedanken
(übrigens auch mit mir trotz all meiner Kritik), bei den Damen und Herren der Günzburger
Zeitung für die Berichterstattung in den letzten 12 Monaten (und Herr Nazareth, natürlich hoffe
ich, dass Sie uns über das Jahresende und somit auch in 2026 mit Ihrer Berichterstattung
weiterhin begleiten werden).
Ich danke auch Ihnen, unserem 1. Bürgermeister Herr Konrad, für seine 24 Jahre Amtszeit,
was, und auch das sollte in dieser Rede nicht unerwähnt bleiben, in der heutigen Zeit eine
durchaus bemerkenswerte Leistung ist und natürlich auch bei Euch, liebe Kolleginnen und
Kollegen des Stadtrates, für die gute, konstruktive und sachliche Zusammenarbeit in den
vergangenen 12 Monaten und nun auch in den mittlerweile insgesamt fast vergangenen
6 zurückliegenden Jahren.
Und somit wünsche ich nun allen heute hier anwesenden Personen von Verwaltung, Presse,
Stadtrat und Gästen sowie allen anderen Leipheimern, Riedheimern und Weißingern eine
schöne und besinnliche verbleibende Adventszeit, ein ruhiges und frohes Weihnachtsfest,
Entspannung, Glück, Freude und Erfolg sowie einen guten und sicheren Start in ein neues und
gesundes Jahr 2026.
Vielen Dank.
Euer/Ihr
Dr Jens Kahler
Fraktionsvorsitzender UWG Leipheim
